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Mittwoch, 19. August 2015

C'est le ton qui fait la musique,

Verschiedene Ereignisse in letzter Zeit – ein Vater bringt Frau und seine zwei Töchter in die Philippinen, die Mutter von Flaach erhängt sich in Untersuchungshaft, ein St.Galler bringt Frau und Kinder um – haben wieder vermehrt die Aufmerksamkeit auf die KESB (Kinder- und Erwachsenenschutz-Behörden gelenkt. Und zwar im ganzen Land. Ausgenommen sind die Behörden des Kantons Freiburg.
Sie treten weder in den Zeitungen noch in den Sozialen Medien negativ in Erscheinung. Sie sind allerdings keine Musterschüler und keineswegs besser als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Restschweiz. Im Gegenteil. Aber sie sind in der Kantonalen Verwaltung anders organsiert; gewissernassen vor der Öffentlichkeit abgeschirmt.

Montag, 19. Januar 2015

Roland Stark vergisst, dass ohnmächtige Wut sich entlädt.

Der frühere Schulmeister und Basler Grossrat Roland Stark betätigt sich in seinem Unruhestand als wortgewaltiger Kolumnist in der Basler Zeitung. Und als solcher bedient er auch hin und wieder "seine Klientel". Dazu zähle ich auch die sogenannte Sozialindustrie. Die geriet nicht nur im Zusammenhang mit den Aufdeckungen aus der Verdingkinderzeit oder im Zusammenhang mit den Enthüllungen in der Causa "Carlos" , sondern  anfangs Jahr mit den Meldungen in Sachen Kindermord in Flaach/ZH in die Schlagzeilen.

Und was in die Schlagzeilen gerät auch ins Visier der Wutbürger, die sich dann der Kommentar-Funktionen in der Presse und vor allem in Sozialmedien bedienen. Stark stellt fest: "Bei uns entlädt sich der Mob ähnliche Shitstorm zurzeit gegen die Kindes- und Erwachsenenschutz­behörde (Kesb). Anlass war zuletzt das Drama von Flaach, bei dem eine Mutter das Leben ihrer beiden Kinder ausgelöscht hatte."
Und weiter schwadroniert der SP-Mann: "Wer ein derart tragisches Familiendrama politisch und medial ausschlachtet, beweist vor allem ein eklatantes Defizit an Anstand und Würde. Weder über die Vorgeschichte noch über die Motive sind bisher nachprüfbare Informationen bekannt geworden. Trotzdem werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde in der Öffentlichkeit pauschal durch den Dreck gezogen und ihre äusserst schwierige Arbeit auf inakzeptable Art und Weise diskreditiert."
Was Anstand und Würde angeht erweist sich Stark als Meister des Wegschauens. Der Mob entlädt sich nicht auf die Behörde, welche Fehlentscheide trifft. Diese sind meist "beschwerdefährig" und können langfristig angefochten werden.
Der Mob entlädt sich, weil die Mitarbeitenden dieser Behörden oft keinen Anstand haben und die Benutzer/innen (zynischerweise als Kunden bezeichnet) dieser "professionellen" Fachstellen ohne Respekt und würdelos abfertigen.
Wer ein Anliegen zu einem Mandat — meistens handelt es sich um zugewiesene Beistandschaften — vorbringt, wird angelogen, hinsichtlich Interventionen vertröstet, Termine werden nicht eingehalten. Wichtige Angelegenheiten werden auf die lange Bank geschoben, und wenn Beistand (Hilfe) nötig wäre, sind die Beistände im Feierabend, in den Ferien, oder in der Weiterbildung. Wenn sie dennoch anwesend wären, lassen sich verleugnen, und versprochene Telefon-Rückrufe werden nicht getätigt. Die Mitarbeitenden dieser Fachstellen wahren angeblich Distanz zu ihren Fällen, in Wirklichkeit fehlt ihnen das Engagement.
Das ist der Grund für die teils tatsächlich bitterbösen Kommentar. Aber, und das scheint Roland Stark ausser Acht zu lassen, in ihrer Ohnmacht verspüren die Betroffenen, denen nicht beigestanden wird, nur noch Wut, die sich dann eben in den Sozialmedien entladt.

Dienstag, 15. April 2014

Offener Brief an Nationalrätin Ursula Schneider


Sehr geehrte Frau Schneider,
Es ehrt Sie, dass Sie die Wiedergutmachungs-Initiative des Schweizerischen Beobachters unterstützen und sich in der Ausgabe vom 4. April mit folgenden Worten zitieren lassen: "Fürsorgerische Zwangsmassnamen und Fremdplatzierungen haben das Leben der Betroffenen gezeichnet. Begegnen wir ihnen heute mit Respekt und nehmen wir Ihre Anliegen ernst." Ich hoffe, dass diese warmen Worte viele stimmberechtigte Freiburgerinnen und Freiburger anregen, die Initiative unterzeich­nen.
Persönlich vermute ich, dass Sie mit Ihrer Aktion von den erbärmlichen Zuständen in Ihrem Kanton ablenken wollen. Die KESB, die Kinder- und Erwachsenenschutz-Behörde, die Nachfolgeorganisation der Vormundschaftsbehörde produziert nach wie vor und zwar nahezu täglich neue Behördenopfer, die sich nur wenig vom Verding­kinderwesen und dem Fremdplatzierungen von damals unterscheiden. Mindestens die Mentalität und die Willkür der Ausführenden sind vergleichbar mit jenen die zur nun angeprangerten Schande geführt haben.